Wasser für den Schwanenteich

Ergänzung 2022-09-18 (Beitrag für die aktuelle Debatte bzg. Wasserentnahme)

das Wasserbuch – Daten bzg. Wieseck

Die Wasserentnahme aus der Wieseck ist gesetzlich geregelt und dokumentiert im Wasserbuch, welches das Regierungspräsidium Gießen verwaltet. Ich habe am 08.08.2022 telefonisch „Einblick“ genommen und folgende Information erhalten:

1.) Die Oberlache hat einen zweiten Namen, Krebsbach

2.) Es gibt eine Eintragung vom 28.05.2013, die die Wasserentnahme regelt wie folgt:

  • Bis zu einem Abfluss von 160,00 l/s in der Wieseck: keine Entnahme
  • Abfluss von 330,00 l/s  : Entnahme bis zu 80,00 l/s  
  • Abfluss von 1.000,00 l/s: Entnahme bis zu 220,00 l/s  
  • Abfluss von mehr als 2.560,00 l/s:  Entnahme bis zu 530,00 l/s

Ausstellende Behörde:

            Untere Wasserbehörde beim Landkreis Giessen

Nach meiner Kenntnis ist das technisch so gelöst:

Im Ufer der Oberlache ist ein Wehr einbetoniert und dort ist eine Schwelle, über die das Wasser in den Versorgungsgraben für den Schwanenteich einfließen kann wenn der Wasserstand höher ist. Diese Schwelle ist eine „Staumarke“ und meines Wissens gehen die Kontroll-Behörden davon aus, das die Bedingungen für die Wasserentnahme mit diesem Bauwerk als „umgesetzt“ gelten.

Dokument: Wasserbuch-Auszug (https://teicheinderwieseckaue.de/wasserbuch)

V.i.S.d.P. Wilhelm Pastoors

Korrektur im August 2022

Der Schwanenteich ist kein Regenrückhaltebecken!

Der Schwanenteich ist kein Regenrückhaltebecken! Das ergab eine Anfrage bei der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis Gießen. Das ist möglicherweise juristisch relevant. Jedoch es bleibt dabei: Hier wird Regenwasser eingeleitet aus einem Teilbereiches zwischen der Eichgärtenallee und der Grünberger Straße. Vor allem im Winter oder nach heftigen Regenfällen im Sommer sind die Auswirkungen auf den Wasserspiegel dann deutlich zu beobachten. Im Sommer stellt sich die Situation aber meistens anders dar, die Niederschläge tragen dann zur Befüllung des Schwanenteiches nicht bei und dann ergibt sich die Situation, die ich nun beschreibe.

Der Wasserspiegel des Schwanenteiches liegt über dem Grundwasserspiegel, kann sich also nicht aus dem Grundwasser ergänzen und erneuern und ist deshalb auf ständige Zufuhr angewiesen. Diese kommt aus der Wieseck, deren Wasserspiegel im Normalfall jedoch ebenfalls tiefer liegt als der des Teiches. Es bedarf also baulicher Maßnahmen, um die Wasserversorgung zu gewährleisten. Dabei gibt es ein „Vorher“ – das ist Lösung, die bis 2013 in Betrieb war – und ein „Nachher“: Im Zuge der Eingriffe im Rahmen der Landesgartenschau 2014 wurde das Wassermanagement geändert.

An dieser Stelle möchte ich anmerken: Alle Beurteilungen, die ich im Folgenden über die Eingriffe abgebe, beziehen sich ausschließlich auf die Auswirkungen für den Schwanenteich; negative Auswirkungen hier können ohne Weiteres positive Auswirkungen an anderer Stelle haben – das ist jedoch nicht der Gegenstand dieser Erörterung. Hier ist zunächst eine textlich Darstellung, im unteren Bereich dieses Beitrags dokumentiere ich „vorher“ und „nachher“ mit Fotos.

Vor 2013 wurde dem Schwanenteich Frischwasser so zugeführt: Das Wieseck-Wehr am Waldbrunnenweg ( der „Schütz“, jetzt baulich etwas heruntergekommen, aber immer noch erhalten ) wurde abgesenkt und dadurch wurde die Wieseck vorübergehend gestaut. Wenn eine gewisse Stauhöhe erreicht war, lief von hier aus frisches Wieseckwasser zunächst durch einen Graben, dann durch ein Sammelrohr, die Oberlache kreuzend, bis in den Schwanenteich.

Unter der Federführung von Gartenamtsleiter Thomas Röhmel wurde unter dem Titel „Naturnahe Umgestaltung der Oberlache“ das Wehr außer Betrieb gesetzt und das die Oberlache kreuzende Sammelrohr abgebaut. Stattdessen wurde dem Wasserlauf der Wieseck kurz stromab der Mündung der Oberlache ein künstliches Hindernis in den Weg gelegt, welches zu einem dauerhaften Rückstau führt; dieser verteilt sich auf den höhergelegenen Lauf der Wieseck und auch auf die Oberlache, deren Umgestaltung sich dem aufmerksamen Betrachter auf den Skizzen https://teicheinderwieseckaue.de/maps-zur-wasserversorgung erschließt.

Diese Umgestaltung stellt für die Wasserversorgung des Schwanenteiches eine erhebliche Veränderung dar: Während das Wasser, das vor der Umbaumaßnahme zugeleitet wurde, kühl und klar war, ist das Wasser jetzt wärmer und hat eine ganze andere biologische Zusammensetzung.

Ein weiteres Problem ist durch die Außerbetriebnahme des Wehr entstanden, welches zu jedem beliebigen Zeitpunkt die notwendig Höhe des Wasserspiegels garantiert hat. Jetzt bleibt der Wasserspiegel in der Wieseck in weniger regenreichen Jahreszeiten trotz der „Stautreppe“ unterhalb einer kritischen Höhe, so dass dem Schwanenteich dann überhaupt kein Wasser mehr zugeführt werden kann.

Ich lasse der Einfachheit halber das Gartenamt (bzw. Mitarbeiter des Gartenamtes) selbst zu Wort kommen:

„Mit Renaturierung und Umlegung der Oberlache im Jahr 2014 ist ein permanenter Wasserzufluss zum Schwanenteich bei Mittelwasserstand möglich.“ (1)

Oder mit anderen Worten (wie ein Mitarbeiter des Gartenamtes am 01. Juli 2020 mitteilen musste) :

„Durch die hohen Temperaturen und die Trockenheit ist derzeit kaum Wasser in der Wieseck, sodass der Wasseraustausch ausbleibt“ (2)

Ich fasse das zur Klarheit noch einmal zusammen: Nur unter bestimmten Bedingungen, genau dann, wenn die Wieseck ausreichend Wasser führt, kann dem Schwanenteich überhaupt Wasser zugeführt werden.

(1) Zitiert nach https://www.giessen.de/Leben/Umwelt-und-Klima/Wasser-und-Boden/Oberfl%C3%A4chengew%C3%A4sser) im Abschnitt „Wasseruntersuchung Wieseckteiche und Zuflüsse“, aufgerufen am 29.09.2021.

(2) Zitat des Mitarbeiters vom 01.07.2020, zu finden unter „Schwanenteich in Gießen wird von grünem Teppich befreit“ im https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/schwanenteich-in-giessen-wird-von-grunem-teppich-befreit_21884483, aufgerufen am 29.09.2021

So war das früher

Die Wasserversorung für den Schwanenteich begann bis ca. 2012 an der Wieseckbrücke Waldbrunnenweg: Die Anlage ist teilweise noch vorhanden – sie besteht aus einem Wehr zum Anheben des Wasserspiegels und einem Kanal (links), der teilweise als offener Graben geführt war (immer noch vorhanden) und teilweise aus Rohren bestand (abgebaut). Die gesamte Anlage war bis zum Schluss in voll funktionsfähigem Zustand, hatte jedoch reichlich Patina angesetzt, die Betoneinfassungen an Ein-, Über- und Ausleitungen brauchten hier und da eine Auffrischung. (rechts unten: Abfluss zum Neuen Teich)

Im „Normalbetrieb“ sah das so aus wie auf dem Bild oben.

Der kleine Kanal mit dem Eisengitter, den Sie links auf dem Foto sehen, wurde dann durch das Sperren des Wehrs ( durch Absenken des Schütz ) mit Frischwasser geflutet werden (Bild unten).

Dieses Bild entstand am 21. September 2012. Hier sehen Sie das Wehr gesperrt- Wasser fließt ab links in den kleinen Kanal Richtung Schwanenteich, rechts in Richtung Neuen Teich. Der Youtube-Film Gießen – Innenstadt und Schwanenteich zeigt ab Minute 8:30 einige Impressionen der Anlage .

Dort, wo die Oberlache in die Wieseck mündet und den Zuleitungskanal kreuzte, war der Frischwasserkanal in einem Rohr über die Oberlache geführt. Diese Optik hat wohl den Entscheidungsträgern nicht mehr gepaßt ….

Der Kanal endete – damals wie heute (die Aufnahme enstand am 02.September 2012) in der nordöstlichen Ecke des Schwanenteiches.

Unter dem Titel „Naturnahe Umgestaltung der Oberlache“ wurde durch die Verbringung von großen Basaltblöcken in das Wieseckbett ein Hindernis errichtet, vor dem das Wieseckwasser sich nun staut. (Für diese Umbaumaßnahme wurde die Wieseck kurzfristig umgeleitet, das ist der Zeitpunkt, an dem dieses Bild entstand. (Bild unten)

So sah es dann aus als das Wasser wieder in das Wieseckbett zurückgeleitet wurde.

Hier sehen wir das Wehr, welches in die Oberlache betoniert wurde um die Wassermenge in Zeit hoher Wasserstände kontrollieren zu können. Anders als das Wehr am Waldbrunnenweg gibt es hier keine Möglichkeit, den Wasser kurzfristig anzuheben – wenn der Wasserstand niedrig ist fließt kein Wasser in Richtung Schwanenteich.

Ein „Gieß“?

Der Vollständigkeit halber füge ich auch noch dieses Bild aus 2012 ein, es entstand kurz nach Beginn der Umbauarbeiten und es zeigt in der Bildmitte den damaligen Wasserauslass. Als wir am 14.Juli 2012 im Rahmen einer Ortsführung unterwegs waren, erklärt ein alter Gießener, an dieser Stelle würde Grundwasser austreten. Ein Beweis für diese Aussage fehlt leider, Fakt ist jedoch, das es in diesem Bereich „gespanntes Grundwasser“ gibt. So wurde auch seitens der Stadt ein Borversuch gemacht , der leider ohne Ergebnis blieb. Mittlerweile liegt dieser Bereich unter Beton.

V.i.S.d.P. Wilhelm Pastoors