Massenentwicklung von Wasserpflanzen. Natürliches Phänomen oder ernstes Problem?

IGB-FACT SHEET

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat ein Fact 
Sheet veröffentlicht, um allen Interessierten einen kurzen forschungsbasierten 
Überblick zu den jetzt häufiger zu beobachtenden Massenentwicklung von 
Wasserpflanzen (Makrophyten) zu geben.

Im IGB Fact Sheet betonen die Forschenden, dass Makrophytenbestände aufgrund 
ihrer vielfältigen Struktur die Biodiversität fördern: Auf ihrer Oberfläche kann 
sich ein artenreicher Aufwuchs aus Algen und Bakterien entwickeln, der wiederum 
Lebensraum und Futtergrundlage von Kleintieren (Zoobenthos) ist. Makrophyten 
bieten Kleintieren Schutz vor Räubern und sind selbst Nahrung für verschiedene 
Wasservögel. In Flüssen erhöhen Makrophytenbestände die Vielfalt an Lebensräumen
mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten. Wasserpflanzenbestände sind 
außerdem wertvolle Laich- und Jagdgründe für Fische und Refugien für ihre 
Larven und Jungfische. Aus gewässerökologischer Sicht überwiegen bei den meisten 
Massenentwicklungen von Makrophyten klar die Vorteile für die Natur.

„Makrophyten waren durch zu hohe Nährstoffeinträge jahrzehntelang verschwunden 
und wachsen heute bei verbesserter Wasserqualität und geringeren 
Nährstoffeinträ-gen wieder“, erklärt Dr. Sabine Hilt, die am IGB zu 
Wasserpflanzen forscht. „Makrophyten nehmen überschüssige Nährstoffe wie 
Phosphor und Stickstoff aus dem Gewässer und geben durch ihren Stoffwechsel 
Sauerstoff ab, wodurch die Gewässer und deren Sedimente besser belüftet werden“, 
ergänzt Dr. Jan Köhler, der am IGB ebenfalls zu Makrophyten forscht. In 
Fließgewässern könnten Rückstaueffekte durch Makrophyten zu höheren 
Wasserständen im Fluss und im Grundwasser führen und damit zum Wasserrückhalt in 
den angrenzenden Flächen beitragen. „Im Hinblick auf die Klimafolgenanpassung 
ist das ein besonders positiver und wichtiger Effekt, außerdem kann die zu 
starke Erosion von Ufern und der Gewässersohle gebremst werden“. Entscheiden 
sich die Akteure in der Gewässerbewirtschaftung für Maßnahmen gegen 
Makrophyten, ist das Krauten — also das Mähen oder Entfernen von Wasserpflanzen 
— die häufigste Maßnahme. Sie dient oftmals allein einer verbesserten 
Nutzungsqualität für bestimmte Interessengruppen und führt zu keiner 
Verbesserung des ökologischen Zustands. Da Krautungen wenig selektiv sind, 
werden schnell auch seltene Pflanzenarten reduziert, vielfältige Lebensräume 
zerstört und viele in den Wasserpflanzenbeständen lebende Tiere getötet. Aus 
Forschungssicht sollten zukünftig ökonomische, ökologische und soziale Aspekte 
bei der Betrachtung und Maßnahmenplanung gleichermaßen eingeschlossen werden. 
Wenn eine Verringerung der Wasserpflanzenbestände notwendig ist, sollten 
nachhaltige Maßnahmen wie die weitere Verringerung der Nährstoffeinträge und 
gegebenenfalls die Anpflanzung von Uferbäumen bevorzugt werden. „Kleinflächige 
Krautungen für räumlich begrenzte Nutzungen wie beispielsweise das Schwimmen an 
Badestellen sind in der Regel auch aus gewässerökologischer Sicht vertretbar, 
wenn dort keine größeren Bestände gesetzlich geschützter Makrophytenarten 
wachsen“, erklärt Jan Köhler. Großflächige Krautungen, bei denen mitunter fast 
alle Wasserpflanzen des Gewässers für das Interesse von nur wenigen Nutzenden 
entfernt würden, hätten jedoch unverhältnismäßig große Kosten und Nachteile. 


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