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die Meinungsseite

Die Seite 3 ist unser Platz für Meinung, Polemik, Ironie und – wenn es sonst nicht auszuhalten ist – auch für Zynismus. Dabei übernimmt die vollständige Verantwortung für seinen Beitrag der Unterzeichnende.

Zur Berichterstattung in den Gießener Zeitungen am 23.06.2022

Ich bin weiterhin überzeugt:

  • der Uferweg ist sehr stabil
  • mit kleineren Reparaturen ist er wieder vollständig herzustellen
  • dies ist der geringstmögliche Eingriff in das Natur-Ensemble „Schwanenteich und seine Tierwelt“
  • so erhalten wir die Bäume und Sträucher
  • und der Biotop insgesamt kann so am besten geschont werden

und was die Kosten betrifft :

  • die Summe der kleineren Reparaturen wird billiger sein als der von Weigel-Greilich geplante Aufwand
  • es kann nach und nach gemacht und die Aufwendungen können genau dosiert über viele Jahre gestreckt werden.

Im Gegensatz dazu steht, was in der lokalen Presse, im Anzeiger und in der Allgemeinen, am 23.06. wieder veröffentlicht wurde. In der Allgemeinen liest sich das beispielsweise so: „vollständiger Verlust infolge der Undichtigkeit des Dammbauwerks droht“. Die endlose Wiederholung, ein baumloser Deichweg sei alternativlos, soll Kritiker verunsichern und das Publikum dazu gebracht werden, diesen Gedanken zu übernehmen. „Wenn das so oft gesagt wird, dann muss doch etwas daran sein“, dass ist der Gedanke, der sich bei den Lesern und Leserinnen der Zeitungen festsetzen soll. Dies ist die „Ad nauseam“-Methode, eine Technik der Propaganda und Meinungsmanipulation.

„Weigel-Greilich erzählt es der Presse, die schreibt es und die anderen Lokalpolitiker glauben es“ so möchte ich einen vielzitierten Gedanken von Karl Kraus1 hier leicht abgewandelt wiedergeben.

Zumindest von den Erlen, die auf der Bachseite des Uferweges stehen, ist bekannt, dass sie zu einer Befestigung von Ufer und Weg beitragen. Und ich bezweifele, dass die anderen Bäume den Damm so gefährden, wie das behauptet wird. Möglicherweise verursachen sie im Laufe der Zeit Kosten, aber dem steht hoher Ertrag in Form von Lebenswert gegenüber.

Weiterhin sehe ich, dass der Uferweg im vorderen Bereich auch nach 14 Monaten – zum Teil erheblichem – Durchfluss an den Leckage-Stellen (Video starten) immer noch vollständig intakt ist; er ist nicht eingebrochen und macht auch hier einen stabilen Eindruck.

Ich wiederhole: Ein Eingriff, wie ihn die Stadt jetzt planen will, gefährdet den funktionierenden (Sekundär-) Biotop und wird wieder sinnlos viele Bäume kosten, die meiner Meinung nach eine wichtige Rolle beim Erreichen der Klimaneutralität spielen und einen wichtigen Beitrag zur Naherholung leisten.

Wer der aktuellen wirtschaftspolitischen Berichterstattung folgt, weiss, dass Baukapazitäten im Augenblick in ganz Deutschland wirklich Mangelware sind. Überall ist Baubedarf: Bahn, Straßen, Wohnungsbau – und ausgerechnet für die unsinnige Ersetzung eines funktionierenden, wenn auch etwas reparaturbedürftigen Uferweges, sollen diese Kapazität nun eingesetzt werden?

Wie kann das verhindert werden? Wie kann der Stadtverwaltung eine Diskussion aufgezwungen werden mit dem Ziel, die Steuergelder an anderer Stelle nützlicher einzusetzen? Meiner Meinung nach ist die „Umwidmung“ von Geldern, die für Schulen eingeplant sind, eine „Untat“. Das Steuervermögen ist im Augenblick wirklich an anderer Stelle – auch in Gießen – besser anzulegen als für den irren Plan der vollständigen Beseitigung des jetzigen Uferweges. Zum Beispiel könnten mit diesem Geld Haushalte unterstützt werden, die mit wenig Einkommen verdoppelte oder gar verdreifachte Energiekosten im kommenden Winter zu tragen haben werden. Oder es könnte wirklich in Schulen investiert werden!

Die ganze Attitüde mit der „Umwidmung“ halte ich für überkommenes kameralistisches Denken: Das Geld ist da, deshalb muss es ausgegeben werden; wenn wir es nicht tun, gibt es im nächsten Jahr weniger. Wenn Haushaltsplanung Geld nicht zurücklegen kann, bis die Rechnungen wirklich zu bezahlen sind, stattdessen das Geld jetzt ausgibt „weil es weg muss“, ist das für mich nicht „die beste aller möglichen Welten“. Ich verliere durch solche Politik das Vertrauen in ein solches Regierungsmodell, das macht mich dann „politikverdrossen“

Letztlich können wir nur hoffen, dass in den Regierungsfraktionen im Gießener Rathaus endlich Verstand wieder die Oberhand gewinnt.

V.i.S.d.P.: Wilhelm Pastoors

  1. im Original: „Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen.“ (Quelle)