„Der Schwanenteich läuft aus“

(Wir dokumentieren die aktuelle Situation [2022] Fotos und Video hier.)

WP führt ein – fiktives – Gespräch mit dem Oberbürgermeister-Kandidaten AW der Grünen ( auf dem Seltersweg am 09.10.21)

Stichworte:

  • „bitter für den Bitterling und die Teichmuschel“
  • „zersetztes Wurzelwerk“
  • „Sickerstellen bekannt – nix gemacht“
  • „Spundwände“
  • „Grundwasserbewegung“

WP„Hallo, Sie sind der Oberbürgermeister-Kanditat der Grünen, Herr Wright, richtig?“
AW„Ja, das bin ich.“
WP„Herr Wright, Politik setzt sich aus vielen kleinen Mosaik-Steinchen zusammen, ich würde gerne heute mit Ihnen über ein solches Mosaik-Steinchen reden, über den Weg zwischen der Wieseck und dem Schwanenteich.“
AW„Ich weiß nicht genau, worüber Sie mit mir reden wollen?“

Von der Seite tritt eine ca. 60 Jährige grauhaarige Frau (Weigel-Greilich!) an den Kandidaten heran, dieser neigt ihr sein Ohr zu und sie wispert ihm in’s Ohr „Das ist der Herr Pastoors … wisper … wisper“
WP„Ich möchte mit Ihnen über den Weg reden, der aktuell unter dem Stichwort ‚Projekt Bitterling‘ in der öffentlichen Diskussion steht – unter diesem Stichwort schreiben die Zeitungen darüber.“
AP„‚Projekt Bitterling‘ – das Projekt mit dem der bedrohte Bitterling, der auf der Roten Liste steht, angesiedelt werden sollte, was dann durch die Bürgerinitiative verhindert wurde?“
WP„Richtiger: Das Projekt, das dem Bitterling das Leben gekostet hat. Eine Population dieser kleinen Fische lebte im Schwanenteich schon vor Landesgartenschau und verlor sein Leben bei den Maßnahmen zur ‚Sanierung‘ des Schwanenteiches, ebenso wie die Teichmuscheln, mit denen die Bitterlinge in Symbiose lebten.“
AP„Die Teichmuscheln kenne ich, ja richtig, die habe ich früher im Schwanenteich gesehen.“
WP„Genau die; diese Teichmuscheln und die Bitterlinge bilden eine Lebensgemeinschaft, ein bekannter Sachverhalt. Wenn Sie Wikipedia aufrufen, dann lesen Sie das gleich – diese beiden Arten unterstützen sich gegenseitig. Die Teichmuscheln waren ja wirklich markant und unübersehbar und eine aufmerksamere Vorbereitung seitens der Stadt hätte diesen Zusammenhang schon bei der Planung erkennen müssen … Aber heute möchte ich mit Ihnen über den Weg reden.“
AW„Was wollen Sie mir jetzt sagen?“
WP„Dieser Weg zwischen Wieseck und Schwanenteich ist ein schöner Spazierweg und besonders, wenn es heiß ist, ist es eine Wohltat, sich hier aufhalten zu können. Hier gibt es Schatten und die Bäume verdunsten das rechts und links reichlich vorhandene Wasser, dadurch entsteht ein kühles Mikroklima. An einem Hitzetag geben diese Bäume den Menschen Erholung. Ich plädiere dafür, die Bäume auf dem Weg zwischen der Wieseck und dem Schwanenteich zu erhalten.“
AW„Ja, ich kenne diesen Weg. Aber der Schwanenteich läuft aus, wenn jetzt dort nicht saniert wird.“
WP„Das Gartenamt und Frau Weigel-Greilich behaupten, die wesentliche Ursache für den Wasserverlust des Schwanenteiches sei sich zersetzendes Wurzelwerk im Damm. Damit sind die Wurzeln von Bäumen gemeint, die gefällt worden waren. Es ist klipp und klar: Wenn dort ein Baum gefällt wird, dann gehört es zur Sorgfaltspflicht des Gartenamtes, auch Vorsorge wegen des verbleibenden Wurzelwerks zu treffen. Es ist dafür zu sorgen, dass das Wurzelwerk gegenüber dem Schwanenteich abgeschirmt wird. Wenn der Baum weg ist und auch die Wurzeln anfangen zu sterben, dann soll das Wasser aus dem Schwanenteich keine Möglichkeit finden, einzudringen. Der Aufwand, nach einer Fällung Vorsorge wegen der Wurzeln zu treffen – z.B. diese ein Stück weit auszugraben und dann den Weg dort zu verfestigen – hält sich in Grenzen. Wenn wir € 1.300.000 (‚Sanierungskosten‘, WP) über 30 Jahre abschreiben, dann sind das mehr als € 40.000 pro Jahr. Diese Arbeiten sind wesentlich billiger; da bleibt dann noch viel Geld übrig und die Bäume sind noch da.“
AW„Die Stadt hat doch auf dem Weg keine Bäume gefällt!“
WPDafür gibt es Fotobeweise, das sende ich gerne einmal zu! Auf jeden Fall ist wegen des sterbenden Wurzelwerkes gefällter Bäume ein Aufwand zu erbringen. Weiterhin ist es so, dass der Stadt seit vielen Jahren bekannt ist, dass es Sickerstellen gibt – 2016 wurden Untersuchungen gemacht – aber es Reparaturen unterblieben. Und das, obwohl bekannt ist: „Steter Tropfen höhlt den Stein“ – es hätte schon damals gehandelt werden müssen.
AW„Jetzt sollen da Spundwände gesetzt werden, die die Leckagen verhindern sollen.“
WP„Doch nicht nur die Leckagen! Die sind meines Erachtens anders viel preisgünstiger zu verhindern, das ist jeweils mit einigen Stunden Handarbeit zu machen. Aber der Leiter des Gartenamtes, Röhmel, hat auf der letzten Sitzung des Bauausschusses vorgetragen, dass auch die Grundwasserbewegung unterbunden werden muss – deshalb sollen die Spundwände sieben Meter tief in den Boden getrieben werden. Dabei tappt die Stadt Gießen im Dunkeln, wie die Anteile der verschiedenen Verlustarten – Verdunstung, Grundwasserbewegung, Leckagen – überhaupt sind.

Doch auch diese Spundwände bedeuten: Die Bäume müssen verschwinden! So auf jedenfalls hat es Röhmel dem Bauausschuss mitgeteilt.“
AW„…“
WP„Es ist an der Zeit, die Frau Weigel-Greilich an der Spitze des Umweltamtes abzulösen. Im Umweltamt brauchen wir Menschen, die zum einen erhalten, was wir noch haben und dann darüber hinaus Vorschläge machen, wie wir als Stadtbevölkerung investieren können, um in Zukunft die Belastung langer Hitzeperioden aushalten zu können. Die Zerstörung einer kleinen Innenstadt-Oase ist wirklich ein untauglicher Vorschlag!“
AW„Frau Weigel-Greilich macht für unsere Partei einen guten Job …“

Ein Bekannter tritt an den OB-Kandidaten heran, der diese Gelegenheit nutzt, dem Gespräch zu entkommen

„Ich werde mir das mal anschauen … ich habe jetzt keine Zeit mehr“

… Abgang des OB-Kanditaten

Siehe auch „Das Wissen des Gartenamtes