Bitterling und Teichmuschel im Schwanenteich

Wir erzählen hier die Geschichte der Bitterlinge als Geschichte einer Doppelmoral.

Die Bitterlinge sind – quasi „märtyrerhaft“ – als Namensgeber des Projekts herangezogen worden, welches ihnen das Leben gekostet hat. (Das ist jetzt möglicherweise doch etwas melodramatisch – aber wir fühlen auch für Tiere.)

Wir halten hier erst einmal fest, was allgemein als gesichert gilt. Die Bitterlinge sind eine Spezies kleiner Fische, die vor der „Sanierung“ im Schwanenteich zu hause war. Die Art ist auf der Roten Liste der gefährdeten Arten aufgelistet. Bitterlinge leben mit Teichmuschel in einer Symbiose.

Die Teichmuscheln waren vor Beginn der Umbauarbeiten für die Landesgartenschau ein Charakteristikum des Schwanenteiches. Beim Spaziergang waren sie in den flachen Uferbereichen immer deutlich zu sehen.

2011 war es so, dass Verantwortlichen (Dezernat Gartenamt ?) der Schwanenteich gestunken hat – im wahrsten Sinne des Wortes. Nach ihrer Meinung war das auf Schwefelverbindungen im Schlamm zurückzuführen. Für sie war klar: Vor der Landesgartenschau muss das „saniert“ werden. Doch wäre eine Entschlammung legal gewesen, wenn zu diesem Zeitpunkt die Existenz der Bitterlinge schon bekannt gewesen wäre? Wir wissen das nicht und anders, als in Frage-Form wollen wir das hier auch nicht formulieren.

Wir meinen – mit dem gebührenden historischen Abstand – dass mit der gebotenen Sorgfaltspflicht sich den Verantwortlichen im Umwelt- und im Gartenamt schon damals die Frage gestellt haben müsste, was das Vorkommen der Teichmuscheln bedeutete. Der Schluss „Die Teichmuscheln leben symbiotisch mit den Bitterlingen zusammen“ und „Gibt es eventuell zu schützende Bitterlinge hier?“ wäre dann nahe liegend gewesen. Zwar wurde der Angelverein zur tatkräftigen Unterstützung der Stadt herangezogen, Fachleute sind damals jedoch anscheinend nicht befragt worden.

Seitens der Stadtverwaltung Gießen wird seit 2012 die Geschichte so erzählt wie sie der Leiter des Gartenamtes, Röhmel, auf der Sitzung des Bauausschusses am 14.09.2021 ( das entsprechende Exzerpt – mit anderen Worten : „das bildliche Zitat“ – dieses Abschnitts seiner Präsentation finden Sie unten aus dieser Seite) erneute präsentierte:

  • Entschlammung des Schwanenteiches ab Sommer 2011
  • dabei Entdeckung von Beständen des Bitterling

Hätte an dieser Stelle die Aktion abgebrochen werden müssen?

Gesichert ist, dass der Schwanenteich „abgefischt“ worden ist. Aus Berichten auf Informationsveranstaltungen, die im Vorfeld der Landesgartenschau abgehalten worden waren, wissen wir weiterhin, dass ein Restbestand von ca. 40 Bitterlingen in den Gartenteich eines Angelfreundes verbracht worden waren, wo sie dann – Gerüchten zufolge – eingegangen sind. Seitdem ist darüber nichts mehr verlautbart worden.

Das Narrativ der „Schuld der Bürgerinitiative(n)“

Doch seitdem versuchen die Verantwortlichen bei der Stadt Gießen sich als Retter des Bitterlings zu präsentieren („Projekt Bitterling“); besonders tun sich hierbei „Bündnis90/Die Grünen“ hervor, denen auch Weigel-Greilich angehört. Weit verbreitet ist ihre Geschichte, die Bürgerinitiative „Stoppt diese Landesgartenschau“ („Die Landesgartenschau und die Bürger“) und später die BI „Rettet den Schwanenteich“ sei für die Ausrottung der Bitterlinge im Schwanenteich verantwortlich. Das das ist vollkommener Quatsch, das sind Fake News, wird aber unermüdlich öffentlich verbreitet.

Wir waren dabei. Jene Bürgerinitiativen wollten bewahren und erhalten; wenn sie etwas zerstören wollten, dann die Pläne einer naturfeindlichen Landesgartenschau. Im Jahr 2012, als die Bitterling-Population ebenso wie die Teichmuscheln bereits vernichtet war ( das geschah ja bereits im Jahr 2011!), gelang es „Rettet den Schwanenteich“ über das Bürgerbegehren, wenigstens das Abholzen des Weg zwischen dem Schwanenteich und der Wieseck zu verhindern. So wurde der Vegetationsgürtel gerettet, für dessen Erhalt wir uns auch jetzt wieder unseren Seiten einsetzen.


Exzerpt aus Powerpoint-Präsentation (Bauausschuss 2021-09-14)

Hier nun der Teil des Röhmel-Dokuments (vierseitiges Exzerpt), welcher die Geschichte der Bitterlinge und Teichmuscheln im Schwanenteich aus Sicht der Stadt noch einmal streift.