Anti-Röhmel

Am 14.09.2021 präsentierte der Leiter des Gartenamtes, Thomas Röhmel, die Argumentationslinie für die Abholzung des Weges zwischen der Wieseck und dem Schwanenteich.

Im https://www.giessen.de/parlamentsinfo ist dieses Dokument als „Sachstandsbericht Sanierung Uferweg und Algenbildung Schwanenteich“ (intern: 00152163.pdf) zwar referenziert, aber leider online nicht abrufbar; wir hängen es unten auf dieser Seite an damit es im Original (Copyright: Stadt Gießen) der öffentlichen Diskussion zugänglich ist.

Wir wollen uns hier Stück für Stück durch diese Argumentation hangeln, dabei aber uns an den Schwerpunkten orientieren anstatt das Dokument „Seite für Seite“ vorzustellen

Weg – Damm – Deich

Für Unbedarfte ist eine Fußangel in der Argumentation “Sachstandsbericht Sanierung Uferweg und Algenbildung Schwanenteich“ ausgelegt, die auf Begriffsverwirrung basiert, deren sich Herr Röhmel hier bedient. Diese Verwirrung entsteht aus der Mehrfachbedeutung des Begriffes Damm.

Zum einen wird „Damm“ benutzt im Sinne von „Wall„, (so benutzen wir ihn), zum anderen im Sinne von „Deich„, (so möchte es Herr Röhmel in diesem Abschnitt suggerieren) . Mancher Mensch verliert hier den Überblick und die notwendige Trennschärfe für eine akurate Argumentation. (Wir haben den Text zu Ihrer Hilfe hier gelb markiert.)

Es gibt tatsächlich einen „Hochwasserschutzdamm“, siehe unter 4.3 im Dokument, aber das ist nicht der Weg zwischen der Wieseck und dem Schwanenteich! Vielmehr ist es ein Schutzdeich für das Freibadgelände gegen Hochwasser der Wieseck! (Im Original, 00152163.pdf, sind die Seiten etwas verwirrend anders aneinander gehängt, wir bringen die Seiten hier jetzt mal in der „richtigen“ Reihefolge.)

Wichtig zu wissen ist: Der Weg zwischen der Wieseck und dem Schwanenteich ist kein „Deich“ und somit unterliegt er nicht „Deichregeln“ und DIN 19712 ! Punkt. Hier wirft Thomas Röhmel Nebelkerzen.

Aus der Beschreibung des Weges selbst geht eher hervor, dass er ziemlich stabil ist. Ansonsten wird hier dargelegt, wie sich Thomas Röhmel den Weg in Zukunft vorstellen kann – lesen Sie den Text einfach aufmerksam selbst.

Ausgangslage 1945

Hier sehen Sie eine Luftaufnahme des Teiches aus dem Jahre 1945. Es fallen die vielen (ungefähr 50) Bombenkrater auf, die daran erinnern, dass damals hier eine Militärakadmie war (im Bildausschnitt ungefähr bei 2 Uhr), ein wichtiges strategisches Ziel für Luftangriffe.

Es hat den Anschein, dass die Krater rund um den Teich und dort, wo heute das Freibadgelände ist, ebenso wie beiden Gewässerstreifen, mit Wasser gefüllt sind. Die Bombentrichter auf der anderen Seite der Straße, die wir heute als „Eichgärtenallee“ kennen, sind jedoch anscheinend trocken. Das führt zum Schluß, dass es sich um Grundwasser handelt – ebenso wie der Teich selbst wahrscheinlich Grundwasser führt. Das macht uns klar, dass sich die Gewässersituation seit 1945 stark verändert hat.

Wir dokumentieren den Aufwand, mit welchem dem Teich heute Wasser zugeführt wird an anderer Stelle.

Funktion Regenrückhaltebecken

Die Seiten 6 und 23 der Originalpräsentation haben wir hier zusammengeschnitten um die Funktion des Schwanenteiches als Regenrückhaltebecken zu verdeutlichen. Wenn es mehr regnet als die in der Eichgärtenallee verlegten Sammler entsorgen können, fließt das Oberflächenwasser aus dem Bereich, der grob mit „Stadtteil zwischen Eichgärtenallee und Grünberger Straße“ umschrieben werden kann, an drei Stellen in den Schwanenteich ein. In der Graphik der Seite 1 sind diese Stellen als „Regenwassereinleitung“ markiert; das Bild auf Seite 2 zeigt, wie eine solche Einleitung aussieht.

Die Geschichte des Bitterlings

Die Röhmel’sche Präsentation beginnt mit einem Rückgriff auf die Geschichte von Teichmuschel und Bitterling im Schwanenteich; dem haben wir eine eigene Seite „Bitterling und Teichmuschel im Schwanenteich“ gewidmet.

Röhmel-Präsentation (00152163.pdf gesamt)

(Copyright: Stadt Gießen)

Zentraler Gesichtspunkt: Ökologische Bedeutung des Spazierweges

Seite 2:

Entschlammung des Schwanenteiches ab Sommer 2011

Dabei Entdeckung von Beständen des Bitterling
( Rote Liste gefährdeter Arten in Deutschland: „Stark
gefährdet“; nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie für
Einrichtung besonderer Schutzgebiete vorgesehen)

Wie habe ich mir das vorzustellen?
Zunächst ist zu bemerken, dass die Teichmuschel ein Charakteristikum des Schwanenteiches war und eine vorausschauende Fürsorge eruiert hätte, was hat es sich mit dieser Muschel auf sich, ggf. "Ist sie ein Schädling / Nützling?"
Dann wäre der Schluß "Teichmuschel lebt symbiotisch mit dem Bitterling zusammen" und "Gibt es eventuell Bitterlinge hier?" naheliegend gewesen.
Aber den Verantwortlichen fehlt(e) diese Kompetenz und es hätte möglicherweise auch ein Hindernis gebildet, den Schwanenteich auszubaggern.

Seite 6:

Schwanenteich aufwerten zu Sekundär-Biotop
Wünschenswert: wieder Primär-Biotop

Seite 7:

2. Ökologische Aufwertung d. Schwanenteiches durch Umwandlung in ein Sekundär-Biotop Flachwasserzone u. ökologische Vernetzung mit der Wieseck

2.1 Verbesserung der Wasserqualität
2.1 Langfristige Sicherung des Uferweges zwischen Schwanenteich und Wieseck

Seite 17:

4.1 Wegebau
Der Aufbau des Weges zwischen Schwanenteich und Wieseck besteht aus einer im Mittel etwa 15 – 20 cm starken Schotterschicht, die aufgrund der fehlenden Versiegelung einen erhöhten Anteil an eingeschlämmten Feinanteilen aufweist. Der Unterbau setzt sich aus kleinräumig wechselndem, gemischt- und feinkörnigem Auffüllungsmaterial zusammen. Im Rahmen der Voruntersuchungen wurden dort Auffüllungsmächtigkeiten zwischen etwa 0,6 und 1,0 m festgestellt. Darunter stehen die Auelehme der Wieseck an. Es handelt sich dabei um braune, graue und dunkelgraue tonige bis stark tonige, schwach sandige bis sandige, untergeordnet schwach humose Schluffe in vorwiegend steif- bis weichplastischer und weichplastischer Konsistenz.

Abschnittsweise sind organogene Schluffe / Tone und vereinzelt schwach bindige sandige und kiesige Zwischenlagen eingeschaltet /1/.

Die Wegeränder und die Böschungen sind mit Bäumen und untergeordnet Buschwerk bewachsen. Der Aufbau und der Bewuchs stehen nicht im Einklang mit den Vorgaben für Deichbauwerke, u.a., dass

• nicht überdimensionierte Deiche aus Bodenarten, die eine Durchwurzelung begünstigen, frei von Gehölzen bleiben müssen,

• wasserseitige Böschungen und Bermen, im Bereich der Deichkrone und alle Überlaufstrecken sowie überströmbare Teilschutzdeiche frei von Gehölzen zu halten sind und

• Gehölzpflanzungen so angelegt sein müssen, dass die Wurzeln der Gehölze nicht in den erdstatisch erforderlichen Deichquerschnitt eindringen.

Der geplante Wegeaufbau ist dem Schnitt der Anlage 3 zu entnehmen. Nach dem Roden der Bäume sind zur nachhaltigen Ertüchtigung zunächst die Wurzelstöcke aufzunehmen, da sonst die Standfestigkeit des neu aufzubauenden Weges nicht zu gewährleisten ist und mit Setzungen durch die verrottenden Wurzelstöcke gerechnet werden muss.

Seite 18:

4.2 Einfassung des Schwanenteiches

Nach dem Aufbau des Wegeunterbaus ist die weitere Profilierung des Uferweges gemäß dem vorliegenden Regelprofil vorgesehen. Hier ist am Südostrand des Weges ein ca. 50 cm hoher senkrechter Absatz zum Schwanenteich hin vorgesehen. Diese Art der Einfassung ist auch für den Südostrand des Schwanenteiches geplant.

Dieses Profil kann nicht frei „geböscht“, sondern muss konstruktiv gesichert werden. Diese konstruktive Sicherung kann aus gutachterlicher Sicht in Form einer Gabionenwand durch Beton-Mauerwinkel oder durch das Einbringen einer Spund-/Kanaldielenwand erfolgen. Für die unterschiedlichen Systeme ist überschlägig mit folgenden Kosten pro Meter zu rechnen:

Spund-/Kanaldielenwand etwa 120 €
Beton-Winkelsteine etwa 135 €
Gabionenwand etwa 175 €.

Seitens des AG wird ein Spundwandverbau entlang der Uferzone zur Eichgärtenallee allein wegen der bautechnischen Ausführung bedingt durch die Kronentraufen der Baumreihen ausgeschlossen.


Seite 30:

Pilotprojekt „Bitterling“
Argumente für das Projekt

Anlage eines Sekudärbiotops (Beitrag zur Umsetzung der Eurpäischen Wasserrahmenrichtlinie)

Ökologische Aufwertung auch für alle anderen Arten an Schwanenteich u. Wieseck postiv (z.B. Fledermäuse)

Verbesserung der Wasserqualität (Geruchsbelästigung, Senkung Krankheitskeime)

Sicherung der Ufer, besonders Uferweg, da hier Wasserhaltung des Schwanenteiches gefährdet ist

Neugestaltung soll nachhaltige Verbesserungen auch für Gestaltung, Unterhaltung u. Pflege der Uferbereiche bringen (attraktive Ufergestaltung mit Geotextilien und Einsaat, Flachwasserzonen Anpflanzung mit Hochstauden etc. )

Seite 31:

Verbesserung der Wasserqualität (Geruchsbelästigung, Senkung, Krankheitskeime)

--- Frage: Was wollen die am Wassermanagement des Schwanenteiches noch ändern?