Teichhuhn (Gallinula chloropus)

Das Teichhuhn ist sozusagen der Charaktervogel des Schwanenteichs. Bereits Ende der 1980er Jahre berichteten Vogelkundler von einer hohen Besiedlungsdichte mit dem Verweis auf die vorhandene Strauchvegetation (u.a. E. Thörner mündl., Naturkunde und Naturschutz in Mittelhessen, Bd. 1, 1990 und Bd.2, 1991). Für 1987 werden größere Ansammlungen von 25-36 Individuen gemeldet (Klein und Korn, Bd. 2 1991)

Seit 1999 finden wöchentliche Zählungen durch D. Jürgens statt, deren Ergebnisse z.T. unveröffentlicht sind bzw. in Einzelmeldungen zu den jeweiligen Arten in den Vogelkundlichen Jahresberichten des Landkreises Gießen (Hrsg. NABU-Kreisverband Gießen) veröffentlicht wurden. Die hohe Besiedlungsdichte des Teichhuhns ist u.a. auf die ausgeprägte Strauchvegetation rund um den Schwanenteich zurückzuführen. Eine zentrale Rolle spielen auch die 3 Inseln, die als sichere Brutplätze alljährlich genutzt werden. Mit der naturnahen Umgestaltung des Neuen Teiches hat sich der Lebensraum des Teichhuhns erweitert, so dass sich auch dort eine Brutpopulation etablieren konnte. Dass die Teichhühner das Gebiet im Winter nicht verlassen müssen ist der Kombination von Still- und Fließgewässer sowie der sie begleitenden Strauchvegetation geschuldet. Diese dichte Strauchvegetation bietet ausreichend Schutz vor Störungen durch Hunde und Menschen, aber auch vor Wind und Kälte. Die unmittelbar nach der Brücke am Nordostufer des Teiches schnell fließende Wieseck bleibt ganzjährig eisfrei. Nur bei längerem tiefen Dauerfrost, friert die Wieseck auch in diesem Bereich komplett zu. Dies ist in 20 Jahren Erfassung nur 1-2 mal für wenige Tage der Fall gewesen. So z.B. im Dezember 2010 (s.u.)

Dass Teichhühner sich geschickt durch’s Geäst größerer Sträucher und kleinerer Bäume bewegen können, lässt sich am Schwanenteich auch immer wieder beobachten, wie auf dem Foto unten zu sehen ist.

Teichhuhn in Erle am Südufer des Schwanenteichs

Dass das Teichhuhn in so großer Zahl am Schwanenteich anzutreffen ist, ist vor allem auf mehrere Faktoren zurückzuführen:

1. die dichte Strauchvegetation bildet einen Schutzwall, der das Teichhuhn vor allzu massiven Störungen durch Spaziergänger (mitunter promenieren mehrere Hundert an einem Tag über den Uferweg). Das Teichhuhn findet hier Ruhe- aber auch Brutplätze. Das lässt sich auch daran erkennen, dass die meisten Bruten erst ab Mitte Mai begonnen werden, wenn das Laub der Sträucher bereits vollausgetrieben ist.
2. die Kombination aus unmittelbar nebeneinander befindlichem Teich und Fließgewässer. Dies stellt sicher, dass auch bei Frost ein eisfreier Gewässerabschnitt vorhanden ist. Auch in dieser Zeit sorgen die Sträucher für einen gewissen Schutz.
3. die Uferstreifen und das eutrophierte Gewässer bieten gute Nahrungsangebote für das Teichhuhn. Aktuell ist es die flächig vorhandene Wasserpest, die nicht nur von Teichhühnern, sondern auch Blässhühnern abgeweidet wird.

Teichhuhn frisst Wasserpest

Welche dramatischen Einbrüche durch das vollständige Entfernen der Strauchvegetation im Jahr 2010 beim Teichhuhnbestand stattfanden zeigen die folgenden Grafiken. Gelb hervorgehoben ist der Zeitraum in dem es im Vorgriff auf die Landesgartenschau zu massiven Eingriffen am Schwanenteich kam. Zum einen wurde die Strauchvegetation mehrfach (zuerst im Winter 2009/2010) auf Stock gesetzt, zum anderen wurde für die Entschlammung des Schwanenteiches immer wieder der Wasserstand abgesenkt. Die gelbe Linie signalisiert den harten Winter 2008/2009, mit mehreren Wochen Frost. Die roten Linien stehen für den Beginn der Eingriffe und dem Ende der Abbauarbeiten nach der Landesgartenschau. Alle Graphiken zeigen, dass vor dem ersten Schnitt der Bestand des Teichhuhns sich auf einem hohen Niveau befand. Die mittlere Abbildung zeigt die Bestände nach Gewässern aufgeschlüsselt. Darauf ist zu sehen, dass die Bestände am Schwanenteich deutlich über denen des Neuen Teiches liegen. Dieses Verhältnis kehrt sich ab 2007 um. Daran ändert sich auch in den darauffolgenden Jahren, in denen es zwei kalte Winter (2008/2009 und 2009/2010) mit längeren Frostperioden gab, nichts. Mit den Eingriffen am Schwanenteich bricht der Bestand dramatisch ein. Eindeutig zu erkennen ist, dass die Teichhühner nicht an den Neuen Teich abwandern sind, sondern offensichtlich das Gebiet überwiegend verlassen haben. Bereits zur Landesgartenschau erholt sich der Bestand wieder. Ein wichtige Rolle dürfte dabei die Hundefreiheit an den Gewässern in diesem Zeitraum spielen. Seit 2015 steigt der Bestand wieder kontinuierlich an. Er hat aktuell die Größenordnung der Bestände um die Jahrtausendwende vorzustoßen. Und wie damals halten sich mehr Teichhühner am Schwanenteich als am Neuen Teich auf. Einer der Gründe dafür dürfte jedoch sein, dass seit 2016 das Wasser des Neuen Teich über die Wintermonate abgelassen wird. Der explosionartige Anstieg des letzten Jahres ist in erster Linie den außerordentlich guten Nahrungsbedingungen geschuldet, die durch das massive Wachstum der Kanadischen Wasserpest (Elodea canadensis) herrschen. Seit Monaten werden mindestens 50 Teichhühner am Schwanenteich während der wöchentlichen Zählungen erfasst. Zeitweilig sind es sogar über 70 Teichhühner. Kein Gewässer im Kreis Gießen oder den umliegenden Landkreisen weist einen derart hohen Bestand an Teichhühnern auf. Der vom Gartenamt geplante Umbau des Schwanenteichs stellt eine große Bedrohung des Teichhuhnbestandes dar. Würden die Pläne umgesetzt, gingen Brutplätze verloren und auch der Bruterfolg der dann noch verbleibenden Paare dürfte geringer ausfallen, da der ‚Schutzwall‘, den die aktuell vorhandene Strauchvegetation darstellt, nicht mehr vorhanden wäre. Daran würde sich langfristig nichts ändern, da dieser Schutzwall, entsprechend den Plänen des Gartenamtes, sich auch nicht wieder entwickeln dürfte. Somit wäre der Fortbestand des Teichhuhns, einer nicht nur nach hessischem Naturschutzgesetz geschützten Vogelart, am Schwanenteich ungewiss.

Schwanenteich – Wasserstand 05.09.2021-23.09.2022

Die Fotos unten zeigen die Entwicklung des Wasserstandes am Schwanenteich von Anfang September 2021 bis Mitte September 2022. Die Aufnahmen entstanden am Platz an der THM mit Blick Richtung Norden auf das SWG-Schwimmbadgelände und den geschotterten Uferweg. Gut zu erkennen ist der deutlich abgesenkte Wasserspiegel am Ende des Sommers 2021. Mitte November des letzten Jahres füllt sich der Schwanenteich, nach aktuellem Erkenntnisstand ausschließlich durch Niederschläge (der Schwanenteich ist Regenrückhaltebecken für einen Teil des Bereiches zwischen der Eichgärtenallee und der Grünberger Straße). Innerhalb einer Woche steigt der Wasserspiegel um knapp 20-30 cm an (Fotos vom 04. + 13.11.2021). Danach steigt er weiter an und erreicht Mitte Januar seinen Höchststand. Interessant sind schwankende Wasserstände im Juli 2022: am 10.07. liegt er ca. 15 cm unter dem maximalen Füllstand, danach sinkt er kontinuierlich ab, um am 27.07.2022, nach einigen Niederschlägen, sogar wieder über dem Niveau von 10.07.2022 zu liegen. Die Fotos verdeutlichen, dass der Wasserstand mehr von der Verdunstung und durch Niederschläge beeinflusst wird, als durch den Wasserdurchlass durch den Damm. Mit Einsetzen der Dürreperiode Anfang August bis Anfang September verliert der Schwanenteich eine Menge Wasser, ohne dass ein Wasseraustritt an der Wieseck festzustellen wäre (siehe auch das Viedeo vom 27.07.2022 unten). Mit den ersten Niederschlägen Mitte September 2022 steigt der Pegel wieder an. Ein größerer bedrohlicher Wasserdurchtritt lässt sich dabei nicht feststellen (siehe Videos am Ende dieser Seite).

Im Video unten sehen wir (Aufnahmetag 04.01.2022) wie das Wasser quer durch den Weg vom Schwanenteich in die Wieseck fließt. Hätte das Gartenamt anstatt aufwändig die Sandsäcke zu platzieren den Weg aufgegraben und die Rinne verschlossen, hätte das Problem mit einigen wenigen Arbeitstunden und geringem Aufwand schon lange behoben werden können.

Das Video stammt vom 27.07.2022. Es fließt kein Wasser durch den Damm in die Wieseck, obwohl der Wasserstand des Schwanenteiches relativ hoch ist. Siehe Foto vom selben Tag (oben in der Wasserstandsgalerie)

Die beiden Videos unten stammen vom 18.09. bzw. 23.09.2022. Sie wurden vom Nordufer der Wieseck aus aufgenommen. Auch hier ist gut zu erkennen, dass es, trotz gut gefülltem Teich, nur zu einem geringem Wasserdurchtritt kommt und nicht, wie vom Oberbürgermeister Becher am 20.09.2022 in der Bauausschussitzung behauptet, ein faustdicker Strahl, der aus dem Damm austräte.

Geringer Wasseraustritt am 18.09.2022 (Aufnahme vom Nordufer aus)
Geringer Wasseraustritt am 23.09.2022 (Aufnahme vom Nordufer aus) trotz hohem Wasserstand des Schwanenteichs (siehe oben)

Porträt Dietmar Jürgens

  • Diplom Biologe, 57 Jahre, wohnhaft in Gießen seit 1985
    Studium der Biologie an der JLU in Gießen, Schwerpunkte Ökologie und Ornithologie
    Freiberufliche Tätigkeit als faunistischer Gutachter 1994-1998 und 2014 bis heute
    Ehrenamtliche Mitarbeit in der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) seit Anfang der 1990er Jahre
    Kreisbeauftragter für Vogelschutz der Staatlichen Vogelschutzwarte in Hessen für den Landkreis Gießen (seit 2015)
  • Wöchentliche Erfassungen der Wasservogelbestände (Rast- und Brutvögel) an den beiden Teichen (Neuer Teich und Schwanenteich) in der Wieseckaue seit 1999, seit 2004 auch die Erfassung des Brutbbestandes bei den Singvögeln
Graureiherkolonie

Graureiherkolonie

Der Graureiher in Hessen

Um die Bedeutung der am Schwanenteich angesiedelten Graureiherkolonie besser einordnen zu können, folgt eine kurze Abhandlung zur Bestandsentwicklung der Art in Hessen und im Kreis Gießen. Noch um 1970 war die Art in Hessen fast ausgestorben. Der Grund war die intensive Bejagung der Art (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON)(Hrsg.) (1993-2000) Avifauna von Hessen). In der Avifauna wird der Bestand mit ca. 800 Brutpaaren für 1999 angegeben. In der Roten Liste der bestandsbedrohten Brutvogelarten Hessens (2014, Staatl. Vogelschutzwarte, VSW und der HGON) wird der Bestand mit 800-1200 Brutpaaren angegeben. Die Art gilt als ungefährdet, weist aber einen stark rückläufigen Trend auf.
Im Landkreis und in der Stadt Gießen kam es in den 2000er Jahren zu Kolonieansiedlungen in anthropogen gestalteten Lebensräumen (siehe u.a. NABU vglkdl. Berichte Kreis Gießen). Von 2004 bis 2016 brüteten bis zu 18 Paare im Gail’schen Park in Rodheim-Bieber und von 2006 bis 2016 bis zu 10 Paare an einem erlenumstandenen Teich in einer Kleingartenanlage am Inselweg. Beide Kolonien haben sich innerhalb weniger Jahre aufgelöst. Zeitgleich kam es zu ersten Ansiedlungen am Schwanenteich (s.u.)

Entwickung der Graureiherkolonie am Schwanenteich (2006-2021)

Die ersten Bruten fanden 2006 in einer Silberpappel und 2007 in einer Fichte statt. Ein Sturm im Winter 2006/2007 führte zum Standortwechsel, da die Silberweide umstürzte und die Spitze der Fichte abknickte und so den Bau eines Horstes ermöglichte. Beide Horstbäume befanden sich im Gehölzgürtel zwischen Wieseck und Schwimmbadgelände (Bild oben links). Nach einer Unterbrechung von 3 Jahren erfolgten in den Jahren 2011 (1 Horst) und 2012 (2 Horste) weitere Bruten in einer Erle auf der mittleren der 3 Inseln (siehe Bildergalerie unten). 2013 entstanden die ersten Horste in den Kastanien an der Eichgärtenallee. Seitdem wuchs die Zahl der Horste kontinuierlich an. Aktuell (2021) sind 74 Horste besetzt.

Graureiherkolonie am Schwanenteich in Gießen. Die Fotos unten zeigen alle Graureiher-Horste aus dem Jahr 2020.  Bei einigen älteren Horsten (oberste Reihe) ist gut zu erkennen, dass die Krone der Kastanien seit dem Rückschnitt ca. 1,5 bis 2 m gewachsen ist. Das erschwert den Bau und später auch den Anflug dieser Horste. Doch trotz dieses erschwerten Zugangs zu den Horsten wächst die Kolonie derzeit noch an.